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DJ Marcos CD-Reviews AUGUST 2006

DJ_MARCOs REVIEWS:

AUGUST 2006:


Razorlight – razorlight (Mercury/Universal)
Ooops, was ist denn hier passiert??? Vor ein-zwei Jahren mit ihrem Debütalbum klangen Razorlight noch wie so ziemlich alle Bands aus Großbritannien damals klangen, nach dem neuen heißen Brit-Rock.Scheiß.

Aber was ist jetzt kaputt? Plötzlich denkt man diese Band kommt aus den Vereinigten Staaten und macht plötzlich amerikanischen Rock. Nicht dass wir uns falsch verstehen, das hier hat nichts zu tun mit 3 Doors Down oder Nickelback oder so´nem anderen grottigen Radio-Americana-Sound, und schon gar nicht mit so College-Rock a la Wheatus und mit Emo und Hardcore der Sorte Bullet For My Chemical Valentine Taking Used Back On Sunday oder anderen schlechten, von der Industrie aufgezogenen Retortenbands hat das auch gar nix am Hut; aber dennoch klingt es amerikanisch. Irgendwie Bruce Springsteen in rockiger, dreckiger und geiler, keine Ahnung wie ich das beschreiben soll/muss/will/kann!!!???

Ihr erstes Album "up all night" aus dem Jahr 2004 fand schon viele Fans (vor allem in the UK und vor allem auch, weil Sänger, Gitarrist, Frontmann und Songwriter Johnny Borell sich vorher einen Namen machte als Basser von den Libertines) und sie hatten sogar einen internationalen Hit mit "stumble and fall". Klar, in UK waren sie an der Spitze der Charts mit gleich mehreren Titeln vertreten (und das Album erreichte Platz 3 der Albumcharts), doch in Deutschland und dem Rest der Welt blieb der Massenerfolg (zunächst) aus.

Mit diesem Album hingegen dürfte dann auch der wirkliche internationale Durchbruch bevorstehen (in UK diesmal sogar auf Platz 1 geklettert), denn hier reiht sich Hit-An-Hit:

Den Anfang und Einstieg in die neue Platte übernimmt gleich die erste Single und das bisher beste (und wichtig für die Disco: tanzbarste) Razorlight-Stück "in the morning", welches vor lauter Gitarren und Schlagzeug plus ohrwurmcharakerlichem Gesang das wohl rockigste Stück des Albums geworden ist (und auch wohl noch Brit-Rock genannt werden darf).

Aber schon beim nächsten Song "who needs love" geht es los mit souligerem Gesang, Background-Chören und vielen "Uh´s" und "Ah´s" und "Darlings", was sich immer mehr in mein Ohr brennt, aber spätestens bei Song Nummer Vier, nämlich passenderweise dann auch "America" ("all my life, there´s panic in america") betitelt, paart sich Bruce Springsteen dann auch noch mit Don McLean (Ja, der mit American Pie) und Queen (die sie sogar schon mal vor 60.000 Menschen supported haben, ich meine, ähem, zwar mit Paul Rodgers und natürlich ohne Freddy Mercury, aber na gut, besser als nichts.)

Danach wirds zwar auch wieder rockiger und es gibt sogar einen "Popsong 2006", aber das klingt alles nicht nach 2006, sondern viel mehr nach 1966 oder so... danach noch auf einen Sprung vorbei in "Kirby´s House", direkt danach "Back To The Start" (gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie keine 4000 Euro ein) und einen abschließenden "Los Angeles Waltz" , dann ist auch schon wieder alles vorbei und wir warten auf den nächsten Schritt der Weiterentwicklung mit dem neuen Album im Sommer 2008.

Bis dahin wird uns dies Album allerdings noch eine Weile begleiten.

Tracklist:

01. In The Morning

02. Who Needs Love

03. Hold On

04. America

05. Before I Fall To Pieces

06. I Can´t Stop This Feeling I´ve Got

07. Pop Song 2006

08. Kirby´s House

09. Back To The Start

10. Los Angeles Waltz

 

 

Rye Coalition – Curses (Gern Blandsten/Southern/Alive)

Vom Posthardcoreler zum Prä-Rocker mit Rye Coalition.

Früher (vor allem mit ihrem 1999er Meisterwerk "The Lipstick Game") sehr stark an Bands wie The Make Up, At The Drive-In oder auch Fugazi orientiert, erinnern Rye Coalition durch eine stete Entwicklung über mehrere Alben, EPs und Singles heute nur noch an die wilden Siebziger, und vor allem an die ganz großen Bands der frühen Rock-Szene: AC/DC, Black Sabbath, Led Zeppelin und Thin Lizzy dürften hier die Paten gewesen sein, die das "verstörte Kind" Rye Coalition nach der Pubertät auf den richtigen Weg zurückbrachten!!!

Gefördert und produziert von Foo Fighters Kopf Dave Grohl wird hier so hart gerockt wie lange nicht mehr (und noch härter als Dave jemals gerockt hat, aber wahrscheinlich gerne würde)!!!

Ist das eigentlich wirklich alles noch Zufall oder kommt nach dem ganzen und scheinbar ewig andauernden Achtziger-Revival jetzt die 70er-Rock Schiene zurück?? Entwickeln wir uns immer weiter zurück??? Im Zehn-Jahres-Rhythmus? Müssen wir nach dem Streifenwahn bald wieder Rüschenhemden und Schlaghosen tragen???

Und vor allem die Frage: Übernehmen jetzt Bands wie Wolfmother oder Rye Coalition die Weltherrschaft???

Antwort: Wohl eher nicht. Oder: Noch nicht!!! Denn als sie vor einigen Monaten mit den Foo Fighters auf Tour waren, mussten Rye Coalition einsehen, dass sie selbst (leider!!!) immer noch keine große internationale Rockband sind wie die oben angeführten Paten. Zusammen mit den Foo´s spielten sie in den größten Hallen Deutschlands, jden Abend vor 5-10.000 Menschen, aber dann kam der Gig im Gleis 22 in Münster, alleine, ohne die Foo Fighters (die einen Tag frei nahmen): und siehe da: 25 "Fans" verirrten sich, das muss doch Frustration pur sein,... naja, auch das werden die 4 überleben (nachdem sie schon so einige Musikrichtungen er- und üb-er-lebt haben), und außerdem war das Album ja zu diesem Zeiutpunkt in Deutschland auch noch nicht erschienen. Jetzt ist es da und Rye Coalition wieder weg. Chance verpasst. Es werden hoffentlich noch viele weitere dazukommen!!! Denn dies Album rockt alles an die Wand, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist! Also, liebe Fans der oben genannten Bands, kauft Euch UNBEDINGT dieses Album. Ihr werdet es nicht bereuen, ich schwör!!!

Mein Anspieltipp; Lied Nummer 2: "burn the masters", geht direkt und mit extremer Wirkung in Ohr, Mark und Bein.

Zu Risiken (Tinitus bei zu lauter Wiedergabe, besonders bei Kopfhörer-Wiedergabe oder Autounfall wegen überhöhter Geschwindigkeit während des Genießens dieser Platte, usw.) und Nebenwirkungen (Angus Young Stechschritt oder wild zuckender Kopf + Luftgitarre, etc.) fragen Sie bitte ihren Arzt oder Apotheker...

Tracklist:

01. Pussyfootin´

02. Burn The Masters
03. Cigarette Catastrophe

04. Young Yellers

05. Clutch The Pearls

06. Secret Heat

07. True Love By The Hour

08. Tequila Mockingbird

09. Between An I-Roc & A Hard Place

10. Vietnam Veterinarian

11. Cocaine Werewolf

12. Achilles´ Wheelchair

 

 

Kante - Die Tiere Sind Unruhig (Labels/EMI)

Ein Gewitter zieht auf, dunkle Wolken am Himmel, noch regnet es nicht, aber "es könnte jeden Moment passieren". Die Tiere sind unruhig ist Kantes mittlerweile viertes Album und es hat Peter Thiessen scheinbar gut getan bei Blumfeld (als Basser, schon der zweite Basser diesen Monat, der später bei einer anderen Gitarre spielt und singt; siehe Razorlight!) auszusteigen und mehr Rockmusik (nach eigenen Angaben viel Queens Of The Stone Age, aber ich schätze mal vor allem auch Motorpsycho und bestimmt auch etwas Pink Floyd) zu hören. Kante haben ihr erstes wirkliches Rockalbum geschrieben, produziert und in diesem Monat wird es veröffentlicht.

Kennt noch jemand den größten Kante-Hit bisher: "Die Summe der einzelnen Teile" vom ersten Album "Zweilicht"? Supersong (und ehmaliger Limit-Hit), aber das hier ist wirklich mehr als die Summe der einzelnen Teile, denn einzelne Teile gibt es wirklich viele auf der Platte, wie gesagt viele Rock-Anleihen, direkter, ja roher als vorheriges Kante-Material, teilweise aber auch ruhiger, wenn auch treibender, ein Instrumentalsong ist dabei, dazu kommt dann sogar ein rappender Türsteher im Song "Die größte Party der Geschichte", kranke, verwurschtelte und vor allem kryptische, wenn auch leichter als früher zu verstehende, Texte, aus denen sich jeder das ziehen kann was er gerade braucht und vor allem eine neue Verspieltheit, die man bislang so noch nicht kan(n)te.

Produziert von und mit Moses Schneider (der auch schon den Beatsteaks zu Ruhm und Ehre verhalf) kitzelt der Fünfer aus der großen Hansestadt endlich alle restlichen (aufgesparten?) Reserven aus sich heraus und schreibt sein bislang bestes Album. Dabei bleibt kein Song unter der 4 Minuten Grenze, nein, sie dauern sogar fast alle mehr als 5 Minuten, weshalb es auch nur 7 Stücke insgesamt sind auf dieser Platte.

Gleich der erste Song, ebenfalls "Die Tiere sind unruhig" betitelt, zeigt Kante in Bestform: mitreißende Texte, eine Situationsbeschreibung, die wohl jeder kennt, der schon einmal ein Gewitter erlebt hat, dazu eine unglaubliche "The Edge" oder Coldplay-mäßige Gitarrenspur. Ein Song, den Dirk von Lowtzow, Thees Uhlmann oder Marcus Wiebusch wahrscheinlich sofort mit Kusshand (und für viel Geld) kaufen würden für ihre Bands Tocotronic, Tomte und Kettcar, wenn er denn zu verkaufen wäre. Ist er aber nicht!!!

Weiter gehts danach mit der ersten Single: "Ich hab´s gesehen", ebenfalls ein Knaller, wenn auch nicht ganz so nah an der Perfektion wie das Titelstück. Im Video dazu sieht Peter Thiessen übrigens aus wie eine Mischung aus Aphex Twin und Andrew W.K. (kuckstu hier: www.kante-pale.de oder www.pale-kante.de , beide Bands hatten ähnliche Videovorstellungen und präsentieren sich jetzt gegenseitig).

Zur Halbzeit bzw. Hälfte der Platte gönnt man sich zwar eine kleine, echt winzige Auszeit (zeigt allerdings auch, das man sich im Gegensatz zu anderen Bands dieses Genres mal was traut, Stichwort "rappender Türsteher") mit "Die größte Party der Geschichte", aber nur um in Halbzeit 2 nochmal alles aus sich herauszuholen:

Da kommt "Die Wahrheit" ans Licht, geht es instrumental um Enten und Dohlen (englischer Titel: "ducks and daws") und zu guter Letzt will man uns weismachen, dass die Hitze weiter andauert.

Und schafft damit die perfekte Überleitung, um auf Repeat zu drücken und die ganze CD noch mal von vorne zu hören!!! Wie gesagt: Ein Gewitter zieht auf, dunkle Wolken am Himmel, noch regnet es nicht, aber "es könnte jeden Moment passieren".

Tracklist:

01. Die Tiere Sind Unruhig

02. Ich Hab´s Gesehen

03. Nichts Geht Verloren

04. Die Grösste Party Der Geschichte

05. Die Wahrheit

06. Ducks And Daws

07. Die Hitze Dauert An



Autor: Marco -- 3.8.2006 16:31:52


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